Video-Streaming überholt lineares TV in Deutschland

Innovative Indie-Filme, Hollywood-Blockbuster, gefeierte Serien, Podcasts, die aktuellen Charthits oder komplette Musikalben – in den vergangenen Jahren ist das Streaming von Medien immer beliebter geworden. Temporären Schwankungen zum Trotz steigen die Nutzerzahlen insgesamt deutlich, nicht nur in Deutschland. Vor allem das Video-Streaming wird hierzulande immer mehr zur „neuen Selbstverständlichkeit“. Die wöchentliche Nutzungsrate in puncto Video-Streaming konnte hier nun erstmals das über Jahrzehnte selbstverständliche und einst so beliebte lineare Fernsehen in Deutschland übertrumpfen.

Den Ergebnissen einer aktuellen Online-Befragung zum Konsum von Medien in Deutschland zufolge nutzen drei Viertel aller befragten Personen (75 Prozent) mindestens einmal in der Woche Video-Streaming und sehen sich auf diesem Wege Serien, Filme, Scripted-Reality-Shows oder Dokumentationen an. Diese Quote übertrifft die des Jahres 2022 noch einmal um rund drei Prozent – Video-Streaming wird damit immer wichtiger.

Damit zieht es in Deutschland zum ersten Mal mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Deutschland gleich, welches drei von vier Personen ebenfalls mindestens einmal wöchentlich nutzen. Private Fernsehsender schauen sich noch rund 73 Prozent aller befragten Personen an – damit ist das Streamen von Videos mittlerweile beliebter als das Programm von Privatsendern wie etwa RTL oder ProSieben.

Lineares TV: Angezählt, aber noch nicht am Ende

Die Befragungsergebnisse zeigen zwar, dass das klassische und lineare Fernsehen, welches bereits im Jahr 1935 erstmals live und in Deutschland ausgestrahlt wurde, nach wie vor nicht tot ist, gegenüber modernen und flexibleren Streamingdiensten aber immer mehr ins Hintertreffen gerät. Gerade unter jüngeren Menschen sinken die Nutzungszahlen in diesem Bereich deutlich, während sie in Sachen Video-Streaming immer weiter steigen. Immerhin können die wichtigsten TV-Sender diesen Rückgang durch die eigenen Mediatheken im Internet zumindest teilweise wieder ausgleichen. Diese Online-Mediatheken konnten 2023 sogar einen Zuwachs von rund fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen und damit die bis dato höchste Nutzungsrate von 61 Prozent erreichen.

Die Vorzüge von Video-Streaming gegenüber linearem Fernsehen

Zwischen 2022 und 2023 sind die Nutzerzahlen bei allen relevanten internationalen Anbietern von Video-Streaming gestiegen. Rund 46 Prozent der befragten Nutzerinnen und Nutzer nennen das zeitunabhängige Anschauen der gestreamten Videoinhalte dabei als Hauptgrund für den Entschluss, Abos bei mindestens einem Video-Streaming-Anbieter abzuschließen. Filme, Serien und Co. können dabei im Unterschied zum klassischen Fernsehen mit festgelegten Sendezeiten flexibel zu jeder Zeit gestartet, pausiert und auf Wunsch zu einem späteren Zeitpunkt wieder fortgesetzt werden.

Etwa 32 Prozent bezeichnen die Werbefreiheit als wichtigsten Grund für den Vorzug von Video-Streaming gegenüber linearem TV – auch wenn diese mittlerweile selbst bei teureren Abonnements nicht immer vollständig garantiert werden kann.

Video-Streaming wird immer beliebter, aber auch immer kostspieliger

Generell sind die monatlichen Kosten bei den meisten Anbietern für Video-Streaming in der jüngsten Vergangenheit teilweise signifikant gestiegen. 2022 nutzten noch rund 44 Prozent der befragten Personen nicht nur einen, sondern zwei oder mehr Anbieter für das Streamen von Videoinhalten. Doch aufgrund der mittlerweile teils sehr hohen Abogebühren – vor allem, wenn etwa die bestmögliche Videoqualität in 4K-Auflösung gewünscht wird – haben 51 Prozent in den letzten Monaten mindestens einen Dienst wieder gekündigt, um zumindest einen Teil der monatlichen Ausgaben einzusparen.

Was die bevorzugten Abspielgeräte für Video-Streaming betrifft, hat sich in den vergangenen zwölf Monaten allerdings kaum etwas geändert. Stationäre PCs und Laptops befinden sich mit rund 86 Prozent immer noch auf Platz 3 der am häufigsten genutzten Geräte, verzeichnen allerdings einen Rückgang von vier Prozent. Auf Platz 2 befinden sich nach wie vor moderne Smart-TVs (92 Prozent), auf welchen Apps der beliebtesten Video-Streaming-Anbieter häufig schon vorinstalliert sind.

Auf der Spitzenposition der beliebtesten Endgeräte befindet sich mit mittlerweile 97 Prozent nach wie vor das Smartphone. Diese sind flexibel einsetzbar, besonders mobil und, vor allem aufgrund ihrer geringen Größe, nahezu jederzeit griffbereit. Doch gerade in der internationalen Filmbranche sprechen sich immer mehr bekannte Filmmachen dagegen aus, ihre oftmals für die große Leinwand konzipierten und inszenierten Filme auf einem vergleichsweise winzigen Abspielgerät mit einer Displaydiagonale von gerade einmal 6 Zoll abzuspielen.

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