Die geplante Legalisierung von Cannabis in Deutschland

Die neue Regierung, bestehend aus der Koalition der SPD, Grüne und FDP, hat nach der Bundestagswahl 2021 bereits beschlossen, dass Cannabis nach langem Zögern und Ringen in Deutschland legalisiert werden soll. Doch zahlreiche Details der Freigabe, neuer Gesetze und auch der Zeitpunkt der geplanten Legalisierung sind noch unbekannt.

Weed, Gras, Marihuana, Cannabis – abgesehen davon, dass diese Begriffe oftmals fälschlicherweise komplett synonym genutzt werden, gelten zum aktuellen Zeitpunkt noch größtenteils als illegal. Immerhin dürfen Ärztinnen und Ärzte Cannabis (der lateinische Begriff für Hanf) seit 2017 die Pflanze wegen ihres Wirkstoffs THC (Tetrahydrocannabinol) aus medizinischen Gründen verschreiben, etwa zur Schmerzlinderung oder, auch wenn dies umstritten ist, zur Behandlung von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen. Teilweise werden die Kosten, sofern keine alternative Behandlung möglich ist, von den Krankenkassen übernommen.

Der neue Koalitionsvertrag sieht die Legalisierung von Cannabis vor

Nach Koalitionsvertrag der neuen Regierung soll Marihuana (die getrockneten, harzhaltigen Blüten und blütennahen Blätter der weiblichen Hanfpflanze) in Zukunft allerdings legalisiert werden. Im Koalitionsvertrag ist die Rede von der „kontrollierten Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizensierten Geschäften“. Das bedeutet letztlich, dass der Kauf, Besitz und Konsum von Cannabis für volljährige Bürger erlaubt wäre.

Diese kontrollierte Abgabe an Volljährige soll in den bereits erwähnten „lizensierten Geschäften“ und nach dem Vorbild Kanadas erfolgen. Der Anbau, die Weiterverarbeitung sowie der Handel mit Cannabis beziehungsweise Marihuana würden in Deutschland damit legal und organisiert stattfinden.

Mit Kontrolle und Lizenzen gegen den Schwarzmarkt

Damit Kauf, Verkauf und Konsum nicht unmittelbar nach einer geltenden Legalisierung ausufern, sind mit dieser nicht wenige Bedingungen und Forderungen seitens der Regierungskoalition verknüpft. So dürften weder beliebige, zu große Mengen gekauft oder verkauft werden. Um erfolgreich gegen den gewaltigen Schwarzmarkt mit Drogen vorgehen zu können, was eines der Hauptziele der geplanten Legalisierung darstellt, dürften zudem nur spezielle Fachgeschäfte mit staatlicher Lizenz Cannabis verkaufen. Hier müsste zudem das Personal besonders geschult werden, um potenzielle Interessenten und Kunden nicht nur über den Wirkungshorizont, sondern vor allem auch die möglichen Nebenwirkungen und Suchtgefahren aufzuklären.

Aus diesem Grund sind Apotheken ein sehr wahrscheinlicher Kandidat für den Erlang einer entsprechenden Lizenz zum kontrollierten Handel mit Cannabis. Es wird allerdings auch nicht ausgeschlossen, dass spezialisierte Geschäfte nach Prüfung eine Lizenz für den Verkauf von Cannabis erhalten, umgangssprachlich oftmals „Coffee Shops“ genannt. Damit würde man unter anderem sicherstellen wollen, dass die Cannabis-Infrastruktur nicht nur in den Innenstädten, sondern auch in den Außenbezirken und vor allem in ländlichen Regionen ausreichend ausgebaut wäre. Ansonsten könnte der Schwarzmarkt mit Drogen aus unbekannten und unkontrollierten Quellen etwa auf dem Land weiter gedeihen.

Chancen, Unklarheiten und Gefahren

Der geplante Angriff auf diesen Schwarzmarkt könnte sich allerdings auch aus anderen Gründen als nicht so effektiv erweisen wie erhofft. Sollte der Cannabis-Preis in lizensierten Verkaufsstellen wie Apotheken etwa deutlich zu hoch ausfallen und zum Beispiel ein Vielfaches des gängigen Preises auf dem Schwarzmarkt betragen, wären die negativen Auswirkungen auf den illegalen Handel wahrscheinlich deutlich geringer als von der Koalitionsregierung beabsichtigt.

In diesem Fall würde der Cannabis-Schwarzmarkt wohl nicht signifikant verringert werden, sondern parallel zum legalen und lizensierten Handel existieren.

Um dem entgegenzuwirken und auch die gesundheitlichen Risiken von mit oftmals unbekannten Substanzen gestrecktem Cannabis zu verringern, will die Regierung zudem stärker auf Präventionsmaßnahmen setzen. Außerdem sollen mehr Stellen zum sogenannten Drug-Checking entstehen. Hier können Volljährige, welche etwa Marihuana bei Dealern auf dem Schwarzmarkt erworben haben, dieses auf Reinheit und eventuelle Gefahrenstoffe überprüfen lassen.

 

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