SPD drängt auf Digitalsteuer und Investitionspflicht für Streamingdienste
Die SPD verschärft ihren Kurs gegenüber internationalen Digitalkonzernen und Streaminganbietern. Mit einer Digitalsteuer für große Tech-Unternehmen und einer gesetzlich verankerten Investitionspflicht für Streamingdienste will die Parteiführung zusätzliche Mittel für Medien, Kultur und Film in Deutschland mobilisieren. Ziel ist es, die wirtschaftliche Basis unabhängiger Medien zu stabilisieren, die Produktionsbedingungen für audiovisuelle Inhalte zu verbessern und den Medienstandort insgesamt zu stärken. Doch innerhalb der Bundesregierung stößt der Vorstoß auf Widerstand.
Mehr Abgaben für globale Digitalkonzerne
Im Zentrum der SPD-Pläne steht eine Abgabe auf die hierzulande erwirtschafteten Gewinne großer internationaler Digitalkonzerne. Parteichef und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil begründet den Vorstoß mit einem Gerechtigkeitsargument. Unternehmen, die in Deutschland hohe Umsätze erzielen, müssten sich auch angemessen an der Finanzierung öffentlicher Aufgaben beteiligen. Eine Digitalsteuer könne dazu beitragen, bestehende Ungleichgewichte im Wettbewerb zu korrigieren und Spielräume für staatliche Investitionen zu schaffen.
Nach den Vorstellungen der SPD sollen die Einnahmen gezielt in den Mediensektor fließen. Insbesondere lokale und regionale Angebote stehen dabei im Fokus. Die Partei warnt seit längerem vor strukturellen Lücken in der journalistischen Versorgung, etwa durch wegfallende Zustellgebiete und wirtschaftlichen Druck auf kleinere Verlagshäuser. Eine stabile Finanzierung unabhängiger Medien sei aus Sicht der Sozialdemokraten ein zentraler Bestandteil demokratischer Infrastruktur.
Klingbeil betont immer wieder die Bedeutung von Qualitätsjournalismus für eine funktionierende Demokratie. Meinungsvielfalt und unabhängige Berichterstattung seien keine Selbstverständlichkeit, sondern auf verlässliche wirtschaftliche Grundlagen angewiesen. Die Digitalsteuer wird innerhalb der SPD daher nicht nur als fiskalisches Instrument verstanden, sondern auch als medienpolitisches Signal. Gleichzeitig soll verhindert werden, dass marktmächtige Digitalkonzerne kleinere Anbieter verdrängen und so die Vielfalt weiter einschränken.
Verpflichtende Investitionen für Streaminganbieter
Neben der Digitalsteuer treibt die SPD eine zweite Maßnahme voran: Internationale Streamingdienste sollen verpflichtet werden, einen festen Anteil ihrer in Deutschland erzielten Umsätze wieder in heimische Produktionen zu investieren. Gemeint sind insbesondere Investitionen in deutsche und europäische Film- und Serienprojekte. Damit orientiert sich die Partei an Regelungen, die in anderen europäischen Ländern bereits existieren.
Aus Sicht des Finanzministeriums würde eine gesetzliche Regelung Transparenz und Planungssicherheit schaffen. Zudem soll sichergestellt werden, dass Rechte an deutschen Produktionen auch in Deutschland steuerlich erfasst werden. Die SPD sieht darin einen Hebel, um die Wettbewerbsfähigkeit des Filmstandorts zu verbessern und die nationale Wertschöpfung zu erhöhen.
Das Finanzministerium verweist zur Begründung auf den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD. Darin haben sich die Regierungsparteien auf eine Reform der Filmförderung verständigt, die sowohl steuerliche Anreize als auch eine Investitionsverpflichtung umfasst. Für Klingbeils Haus ist das ein klarer Auftrag, die Pläne nun konkret umzusetzen.
Widerstand aus dem Kanzleramt und der Kulturpolitik
Innerhalb der Bundesregierung ist der Kurs jedoch umstritten. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer setzt nicht auf gesetzliche Vorgaben, sondern auf freiwillige Zusagen der Streaminganbieter. Zwar hatte auch er zunächst ein Investitionsverpflichtungsgesetz in Aussicht gestellt, inzwischen spricht sich sein Haus jedoch ausdrücklich für Selbstverpflichtungen aus.
Als Gründe nennt Weimer mehrere Risiken. Eine gesetzliche Verpflichtung würde aus seiner Sicht zusätzlichen bürokratischen Aufwand und höhere Kosten für Sender und Plattformen verursachen. Zudem könnten rechtliche Auseinandersetzungen folgen, die das Vorhaben verzögern oder scheitern lassen.
Europarecht und außenpolitische Bedenken
Hinzu kommen europarechtliche und handelspolitische Argumente. Nach Einschätzung des Kulturstaatsministers lasse sich rechtlich kaum sicherstellen, dass Investitionen tatsächlich in Deutschland erfolgen. Anbieter könnten ihre Verpflichtungen ebenso gut in anderen EU-Staaten erfüllen. Darüber hinaus warnt Weimers Haus vor einer weiteren Zuspitzung der Handelsbeziehungen mit den USA. Die amerikanische Regierung habe bereits signalisiert, dass sie Zwangsinvestitionen kritisch sehe.
Freiwillige Zusagen unter Vorbehalt
Nach Angaben des Kulturstaatsministers haben große US-Streamingdienste sowie private und öffentlich-rechtliche Sender freiwillige Investitionszusagen in erheblichem Umfang für die kommenden Jahre vorgelegt. Diese Zusagen beziffert sein Haus auf insgesamt 15 Milliarden Euro.
Im Finanzministerium stößt diese Argumentation auf Skepsis. Freiwillige Vereinbarungen böten weder ausreichende Transparenz noch verbindliche Durchsetzbarkeit, heißt es dort. Ohne gesetzliche Grundlage fehle es an Planungssicherheit und an klaren Kontrollmechanismen.
Der Streit soll im Koalitionsausschuss weiter beraten werden. Das Ergebnis dürfte weit über die Medienbranche hinaus Wirkung entfalten. Es geht um die Frage, wie weit der Staat bei der Regulierung globaler Plattformen gehen will und welche Instrumente geeignet sind, nationale Interessen in einer international geprägten Digitalökonomie durchzusetzen. Für die SPD ist klar: Ohne verbindliche Regeln lasse sich der Medienstandort Deutschland langfristig kaum absichern.