Rolls-Royce Power Systems richtet ihr Schifffahrtsgeschäft neu aus

Auf der SMM 2026 präsentiert das Friedrichshafener Unternehmen effizientere mtu-Antriebe, digitale Steuerungslösungen und ein erweitertes Serviceangebot. Ein drehzahlvariables Aggregat soll Kraftstoffverbrauch und CO₂-Ausstoß um bis zu 15 Prozent reduzieren.

Die Rolls-Royce Power Systems erweitert sein Angebot für die kommerzielle Schifffahrt. Auf der Branchenmesse SMM 2026 stellt das Unternehmen neue Antriebssysteme der Marke mtu vor, die vor allem bei wechselnden Lastanforderungen effizienter arbeiten sollen. Ergänzt werden die Aggregate durch eine neue Abgasnachbehandlung, digitale Automationslösungen und Dienstleistungen für den gesamten Lebenszyklus eines Schiffes.

Die Friedrichshafener Rolls-Royce-Sparte adressiert mit dem Portfolio mehrere Bereiche des maritimen Marktes. Dazu gehören Passagierfähren, Such- und Rettungsschiffe, Offshore-Versorger, Yachten und Patrouillenboote. Auch Schiffe, die beim Bau und Betrieb von Offshore-Windparks eingesetzt werden, zählen zu den vorgesehenen Anwendungen.

Im Zentrum steht dabei nicht eine einzelne Antriebstechnologie. Die Rolls-Royce Power Systems setzt vielmehr auf verschiedene Lösungen, die sich an den jeweiligen Anforderungen der Betreiber orientieren. Neben konventionellen Motoren umfasst das Angebot auch Komponenten für elektrische und hybride Antriebssysteme sowie Technik für den Einsatz nachhaltiger Kraftstoffe.

Variable Drehzahl soll den Verbrauch senken

Technischer Schwerpunkt des Messeauftritts sind standardisierte drehzahlvariable Antriebsaggregate auf Basis der mtu-Baureihe 2000. Anders als Systeme, die permanent mit gleichbleibender Drehzahl laufen, können die neuen Aggregate ihre Arbeitsweise an das aktuelle Lastprofil des Schiffes anpassen.

Nach Angaben der Rolls-Royce Power Systems lassen sich dadurch der Kraftstoffverbrauch und die damit verbundenen CO₂-Emissionen gegenüber Aggregaten mit konstanter Drehzahl um bis zu 15 Prozent verringern. Das Unternehmen hebt zudem die Leistungsdichte der Systeme hervor. Damit sollen die Aggregate hohe Leistung mit einer kompakten Bauweise verbinden.

Die Produktfamilie umfasst Ausführungen mit acht bis 16 Zylindern. Durch diese Bandbreite kann die Rolls-Royce Power Systems unterschiedliche Leistungsklassen und Schiffstypen bedienen. Von der variablen Betriebsweise sollen insbesondere Anwendungen profitieren, deren Energiebedarf während einer Fahrt deutlich schwankt.

Eine wichtige Rolle spielen die Aggregate deshalb auch für Elektro- und Hybridschiffe. Dort müssen die einzelnen Komponenten flexibel zusammenspielen und ihre Leistung an den jeweiligen Betriebszustand anpassen. Neben Verbrauch und Emissionen sollen sich durch die neue Technik auch Geräusche und Vibrationen reduzieren. Das steigert vor allem auf Passagierschiffen und Yachten den Komfort an Bord.

Neue Abgastechnik erfüllt IMO-Tier III

Parallel zum Antrieb entwickelt die Rolls-Royce Power Systems die Abgasnachbehandlung weiter. Das Unternehmen präsentiert eine neue SCR-Lösung, die den Anforderungen des Emissionsstandards IMO-Tier III entspricht. Die Technik ergänzt die neuen Aggregate und soll den Betrieb auch unter strengen regulatorischen Vorgaben ermöglichen.

Damit verbindet das Unternehmen zwei Ansätze zur Verringerung der Umweltbelastung. Die Anpassung der Drehzahl soll Kraftstoffbedarf und CO₂-Ausstoß reduzieren, während die SCR-Abgasnachbehandlung auf die Einhaltung der vorgeschriebenen Emissionsgrenzen ausgerichtet ist.

Die Rolls-Royce Power Systems verfolgt dabei einen technologieoffenen Kurs. Das Unternehmen untersucht und entwickelt unterschiedliche künftige Antriebslösungen, anstatt das maritime Geschäft auf einen einzigen technischen Weg festzulegen. Ziel ist es, Schiffseignern und Flottenbetreibern ein System anzubieten, das zum jeweiligen Einsatzprofil passt.

Automation wird Teil des Gesamtsystems

Über den Maschinenraum hinaus baut die Rolls-Royce Power Systems ihr Angebot für die digitale Schiffsführung aus. Unter der Bezeichnung mtu NautIQ bündelt das Unternehmen Automations- und Brückenlösungen sowie Funktionen zur Auswertung von Betriebsdaten.

Schiffsbetreiber sollen damit ihre Flotten sicherer und wirtschaftlicher steuern können. Die Technik richtet sich sowohl an Neubauprojekte als auch an die Modernisierung bereits eingesetzter Schiffe. Datenanalysen können dabei helfen, den Betrieb der Systeme besser zu überwachen und die verfügbaren Informationen für eine effizientere Flottenführung zu nutzen.

Die Kombination aus Antrieb, Abgasnachbehandlung und Automation zeigt, dass die Rolls-Royce Power Systems ihr maritimes Geschäft zunehmend als integriertes Systemangebot versteht. Die einzelnen Komponenten sollen nicht isoliert arbeiten, sondern aufeinander abgestimmt werden.

Service der Rolls-Royce Power Systems über die gesamte Nutzungsdauer

Ein weiterer Baustein ist das Servicegeschäft. Die Rolls-Royce Power Systems will ihre Kunden von der Auswahl der Technik bis zum laufenden Betrieb begleiten. Zum Angebot gehören längere Wartungsintervalle, Arbeiten direkt am Einbauort und umfangreiche Garantieleistungen.

Damit rücken neben den Anschaffungskosten auch Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit während der gesamten Nutzungsdauer in den Mittelpunkt. Wartungen vor Ort können Ausfallzeiten begrenzen, während verlängerte Intervalle den betrieblichen Aufwand reduzieren sollen.

Das Unternehmen investiere innerhalb der Rolls-Royce-Gruppe in Zukunftstechnologien, um Flotten heute und künftig mit geeigneten Antriebslösungen auszustatten. Ingenieure und Serviceteams sollen die Betreiber anschließend über die gesamte Lebensdauer der Schiffe unterstützen.

Die Rolls-Royce Power Systems kann dabei auf mehr als 100 Jahre Erfahrung im maritimen Geschäft zurückgreifen. Weltweit beschäftigt das Unternehmen mehr als 10.000 Menschen. Mit den auf der SMM 2026 vorgestellten Lösungen positioniert sich die Friedrichshafener Sparte als Anbieter, der Motorentechnik, Elektrifizierung, Automation und Service zu einem umfassenden Angebot für die Schifffahrt verbindet.