Rolls-Royce Power Systems reduziert Emissionen in der Produktion deutlich

Mit HVO-Kraftstoff senkt die Rolls-Royce Power Systems CO₂-Ausstoß und stärkt die industrielle Dekarbonisierung.

Die Rolls-Royce Power Systems treibt die Umstellung seiner Produktionsprozesse konsequent voran. An den deutschen Standorten Friedrichshafen, Augsburg und Ruhstorf betreibt das Unternehmen sämtliche Prüfstände für mtu-Dieselmotoren inzwischen mit hydriertem Pflanzenöl (HVO) statt fossilem Diesel. Bis Ende 2025 summieren sich die dadurch vermiedenen CO₂-Emissionen auf rund 3.200 Tonnen. Auch andere Schadstoffe gehen spürbar zurück.

Für CEO Jörg Stratmann ist die Maßnahme Teil einer übergeordneten Strategie. Rolls-Royce Power Systems positioniert sich zunehmend als Anbieter nachhaltiger Energie- und Antriebslösungen und setzt dabei nicht nur auf neue Technologien, sondern auch auf eine Transformation der eigenen Fertigung.

Schrittweise Umstellung der Prüfstände

Der Wechsel auf den alternativen Kraftstoff begann im September 2024 mit ersten Testläufen. In den darauffolgenden Monaten wurde die Nutzung von HVO sukzessive auf weitere Anlagen ausgeweitet. Mittlerweile laufen alle wesentlichen Prüfstände für mtu-Motoren in Deutschland vollständig mit dem erneuerbaren Kraftstoff.

Im Fokus stehen dabei insbesondere Motoren der Baureihe 4000, die in unterschiedlichen Industrien eingesetzt werden, darunter Schifffahrt, Schienenverkehr und Energieversorgung. Die Umstellung betrifft damit einen zentralen Teil des Produktportfolios von Rolls-Royce Power Systems.

Am Standort Friedrichshafen zeigt sich der Effekt besonders deutlich. Dort sank der CO₂-Ausstoß der Serienprüfstände im Jahr 2025 im Vergleich zum Betrieb mit konventionellem Diesel um etwa ein Viertel. Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen zusätzliche Einsparungen, da der Einsatz von HVO künftig über das gesamte Jahr hinweg erfolgt.

Jörg Stratmann setzt auf deutliche Reduktion weiterer Emissionen

Neben der CO₂-Bilanz verbessert sich auch die Luftqualität in der Produktion. Der Einsatz von HVO reduziert den Ausstoß von Rußpartikeln um mehr als 40 Prozent. Stickoxide gehen um bis zu acht Prozent zurück. Diese Werte spiegeln die sauberere Verbrennung des Kraftstoffs wider.

HVO wird aus pflanzlichen Ölen sowie aus Abfall- und Reststoffen hergestellt. Über den gesamten Lebenszyklus betrachtet, kann der CO₂-Ausstoß im Vergleich zu fossilem Diesel deutlich sinken. Je nach Ausgangsmaterial und Herstellungsprozess sind Reduktionen von bis zu 90 Prozent möglich. Da bei der Nutzung nur jene Mengen an Kohlenstoff freigesetzt werden, die zuvor durch Biomasse gebunden wurden, ergibt sich eine deutlich günstigere Klimabilanz.

Ein weiterer Vorteil liegt in der technischen Kompatibilität. HVO kann ohne Anpassungen in bestehenden Dieselmotoren eingesetzt werden. Rolls-Royce Power Systems hatte bereits frühzeitig seine zentralen mtu-Baureihen für den Betrieb mit nachhaltigen Kraftstoffen nach DIN EN 15940 freigegeben. Diese Entscheidung erleichtert nun sowohl die interne Umstellung als auch den Einsatz bei Kunden.

Wirtschaftliche Aspekte im Blick der Rolls-Royce Power Systems

Trotz der ökologischen Vorteile bleibt der Kostenfaktor relevant. Im Jahr 2025 lag der Preis für HVO im Durchschnitt rund zehn Cent pro Liter über dem von Diesel B7. Für Rolls-Royce Power Systems ist die Umstellung dennoch ein wirtschaftlich tragfähiger Schritt, da sie Teil eines umfassenderen Transformationsprogramms ist, das Effizienz, Resilienz und Zukunftsfähigkeit stärken soll.

Jörg Stratmann verfolgt damit einen Ansatz, der Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit miteinander verbindet. Die Dekarbonisierung der Produktion wird nicht isoliert betrachtet, sondern als Bestandteil einer langfristigen Unternehmensstrategie.

Breiter Einsatz bei Kunden

Parallel zur eigenen Transformation gewinnt HVO auch in den Anwendungen der Kunden an Bedeutung. Zahlreiche Betreiber nutzen bereits mtu-Motoren mit dem nachhaltigen Kraftstoff. Die Einsatzfelder reichen von Zügen über Schiffe bis hin zu Bergbaumaschinen, Rechenzentren und Energiesystemen.

Die Deutsche Bahn setzt HVO seit 2022 ein, um ihre Emissionen zu reduzieren. In der digitalen Infrastruktur greifen Rechenzentren wie das Eco Datacenter in Schweden auf den Kraftstoff zurück, etwa für Notstromaggregate. Auch im Bergbau kommt HVO zum Einsatz, etwa bei Großgeräten eines internationalen Konzerns in Nordamerika und Australien.

Diese Beispiele verdeutlichen, dass sich bestehende Technologien mit vergleichsweise geringem Aufwand klimafreundlicher betreiben lassen. Für Rolls-Royce Power Systems eröffnet dies zusätzliche Geschäftspotenziale, da Kunden zunehmend nach kurzfristig umsetzbaren Lösungen zur Emissionsreduktion suchen.

Unterstützung bei der Umstellung

Das Unternehmen begleitet seine Kunden aktiv bei der Einführung von HVO. Neben der Bereitstellung geeigneter Motoren umfasst dies auch Beratung zu technischen Anforderungen sowie regulatorischen Rahmenbedingungen. Ziel ist es, den Wechsel zu nachhaltigen Kraftstoffen möglichst reibungslos zu gestalten.

Für CEO Jörg Stratmann liegt darin ein zentraler Hebel: Die Kombination aus bestehender Infrastruktur und alternativen Energieträgern ermöglicht es, Emissionen kurzfristig zu senken, ohne auf vollständig neue Systeme warten zu müssen.

Teil eines größeren Transformationsprozesses

Die Rolls-Royce Power Systems ist Teil des britischen Rolls-Royce-Konzerns, der weltweit Energie- und Antriebssysteme entwickelt. Mit mehr als 10.000 Beschäftigten und einem breiten Portfolio, das von klassischen Motoren bis zu Batteriesystemen und integrierten Energielösungen reicht, spielt das Unternehmen eine wichtige Rolle in der industriellen Energiewende.

Der Konzern ist in 48 Ländern aktiv und beliefert Kunden in über 100 Märkten. Ein mehrjähriges Transformationsprogramm zielt darauf ab, die finanzielle Basis zu stärken und Investitionen in nachhaltige Technologien zu ermöglichen. Die Umstellung der Motorenprüfstände auf HVO ist ein konkretes Beispiel dafür, wie die Rolls-Royce Power Systems diesen Wandel umsetzt. Sie zeigt, dass sich auch bestehende Prozesse kurzfristig anpassen lassen, um Emissionen zu reduzieren und gleichzeitig die industrielle Leistungsfähigkeit zu erhalten.