Neue Hybridlösungen für Bergbau und Verteidigung erweitern das Portfolio von Rolls-Royce Power Systems
Rolls-Royce Power Systems setzt den Ausbau seiner Antriebstechnologien konsequent fort. Mit neuen Hybridlösungen für den Bergbau und militärische Landfahrzeuge verfolgt das Unternehmen das Ziel, Effizienz, Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit schwerer Mobilitätsanwendungen zu verbessern. Die aktuellen Entwicklungen zeigen zugleich, wie sich der Friedrichshafener Antriebsspezialist zunehmend vom klassischen Motorenhersteller zum Anbieter integrierter Antriebssysteme entwickelt.
Unter der Führung von CEO Jörg Stratmann investiert die Rolls-Royce Power Systems seit Jahren in neue Technologien, die sowohl den Anforderungen industrieller Kunden als auch den veränderten Rahmenbedingungen in Energieversorgung, Rohstoffgewinnung und Verteidigung gerecht werden sollen. Die jüngsten Projekte verdeutlichen diese strategische Ausrichtung.
Hybridantrieb für den Bergbau
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Einsatz von Hybridtechnologie im Tagebau. Rolls-Royce Power Systems entwickelt derzeit ein Antriebssystem für Muldenkipper, das einen mtu-Dieselmotor der Baureihe 4000 mit einem elektrischen Antriebsstrang kombiniert. Ein erstes Pilotfahrzeug soll ab Herbst 2026 unter realen Einsatzbedingungen in einem Bergwerk getestet werden.
Das Konzept nutzt die besonderen Betriebsabläufe im Tagebau. Während der Bergabfahrt wird Bremsenergie zurückgewonnen und in Batterien gespeichert. Diese Energie steht anschließend für die Bergauffahrt zur Verfügung und unterstützt dort die elektrischen Radmotoren. Dadurch kann die Belastung des Dieselmotors reduziert werden.
Nach Angaben des Unternehmens lassen sich abhängig von Topografie und Einsatzprofil Einsparungen von bis zu 30 Prozent beim Kraftstoffverbrauch und den CO₂-Emissionen erzielen. Die Lösung ist modular aufgebaut und soll sich an unterschiedliche Fahrzeuggrößen sowie verschiedene Anforderungen von Bergwerken anpassen lassen. Auch die Nachrüstung bestehender Fahrzeuge ist vorgesehen.
Die Entwicklung erfolgt vor dem Hintergrund steigender Nachfrage nach Rohstoffen, die für Energiewende, Elektromobilität und digitale Infrastruktur benötigt werden. Gleichzeitig stehen Bergbauunternehmen unter wachsendem Druck, ihre Emissionen zu senken.
Ausbau der mtu-Plattform für militärische Fahrzeuge
Parallel dazu baut Rolls-Royce seine Aktivitäten im Verteidigungssektor aus. Auf der Rüstungsmesse Eurosatory 2026 in Paris präsentierte das Unternehmen die Weiterentwicklung der mtu-Baureihe 199 zu einer umfassenden Antriebsplattform für militärische Landfahrzeuge.
Die Plattform umfasst künftig Varianten mit sechs, acht, zehn und zwölf Zylindern und deckt ein Leistungsspektrum von 260 bis mehr als 1.350 Kilowatt ab. Damit können unterschiedliche Fahrzeugklassen von Transportfahrzeugen bis hin zu schweren Kampffahrzeugen mit einer gemeinsamen technischen Basis ausgestattet werden.
Die Baureihe ist bereits in zahlreichen militärischen Plattformen im Einsatz, darunter Boxer, ACSV, ASCOD und Borsuk. Nach Unternehmensangaben wurden bislang mehr als 4.500 Aggregate ausgeliefert. Die Systeme werden in 16 NATO-Staaten genutzt.
Für Streitkräfte ergeben sich daraus Vorteile bei Beschaffung, Wartung und Logistik. Eine möglichst einheitliche Architektur über verschiedene Fahrzeugtypen hinweg soll Betriebskosten senken und die Verfügbarkeit erhöhen.
Weltpremiere für das PowerPack Xelerate
Besonderes Augenmerk erhielt auf der Eurosatory die Vorstellung des neuen Hybridantriebs mtu PowerPack Xelerate. Dabei handelt es sich um ein integriertes System, das den mtu-Motor 10V 199 mit dem elektrifizierten Lenkschaltgetriebe eLSG 5000 von ZF kombiniert.
Das System erreicht eine Gesamtleistung von mehr als 1.400 Kilowatt und ist für schwere militärische Kettenfahrzeuge ausgelegt. Neben hoher Leistungsfähigkeit soll die Hybridarchitektur zusätzliche elektrische Energie für Sensorik, Kommunikationssysteme und Schutztechnik bereitstellen.
Durch die Integration elektrischer Komponenten ergeben sich zudem neue Möglichkeiten für die Fahrzeugarchitektur. Das Unternehmen verweist auf eine höhere Agilität, eine flexiblere Energieverteilung sowie die Vorbereitung auf zukünftige digitale und teilweise autonome Fahrzeugkonzepte. Der Antriebsstrang ist vollständig elektronisch steuerbar und damit für sogenannte Drive-by-Wire-Anwendungen ausgelegt.
Verteidigungsgeschäft gewinnt an Bedeutung
Die technologischen Entwicklungen spiegeln sich auch in der strategischen Ausrichtung des Unternehmens wider. Das Verteidigungsgeschäft hat sich zu einem wichtigen Wachstumstreiber entwickelt und steht inzwischen für rund ein Viertel des Gesamtumsatzes von Rolls-Royce Power Systems.
Vor dem Hintergrund steigender Verteidigungsbudgets und langfristiger Beschaffungsprogramme investiert das Unternehmen weltweit hohe dreistellige Millionenbeträge in Produktionskapazitäten, Lieferketten und Effizienzsteigerungen. Ziel ist es, die wachsende Nachfrage zuverlässig bedienen und gleichzeitig neue Antriebsgenerationen zur Serienreife führen zu können.
Während im Bergbau vor allem die Reduzierung von Kraftstoffverbrauch und Emissionen im Mittelpunkt steht, dominieren im Verteidigungsbereich Leistungsdichte, Energieversorgung und Einsatzbereitschaft. Beide Entwicklungen folgen jedoch derselben strategischen Linie: Rolls-Royce Power Systems erweitert sein Geschäft über den klassischen Motor hinaus und positioniert sich zunehmend als Anbieter kompletter Antriebssysteme für anspruchsvolle Anwendungen an Land.