Nach Rekordzahlen: Rolls-Royce Power Systems will neues Werk bauen
Rolls-Royce Power Systems setzt seinen Wachstumskurs fort und plant einen umfangreichen Ausbau seiner Produktionskapazitäten. Am Hauptstandort Friedrichshafen soll ein weiteres Werk entstehen. Hintergrund sind außergewöhnlich starke Geschäftszahlen sowie eine steigende Nachfrage aus zwei zentralen Märkten: Stromversorgungssysteme für Rechenzentren und Antriebstechnologie für militärische Fahrzeuge.
Das Unternehmen mit britischem Mutterkonzern hat in den vergangenen Jahren eine Entwicklung verzeichnet, die in dieser Form in der Unternehmensgeschichte bislang ohne Beispiel ist. Umsatz und Gewinn legten deutlich zu, während die Auftragsbücher weiter anschwollen.
Deutliches Wachstum bei Umsatz und Gewinn
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte die Rolls-Royce Power Systems einen Umsatz von 5,72 Milliarden Euro. Damit lag der Erlös rund 19 Prozent über dem Vorjahreswert. Vorstandsvorsitzender Jörg Stratmann verwies darauf, dass der Umsatz innerhalb von drei Jahren insgesamt um etwa die Hälfte gestiegen sei.
Noch stärker entwickelte sich das operative Ergebnis. Der bereinigte Betriebsgewinn belief sich auf 995 Millionen Euro und lag damit rund 60 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Im Vergleich zu vor drei Jahren hat sich der operative Gewinn sogar verdreifacht.
Auch beim Auftragseingang verzeichnete der Hersteller eine deutliche Zunahme. Neue Bestellungen summierten sich zuletzt auf mehr als sieben Milliarden Euro – ein Plus von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach Angaben des Managements arbeiten die bestehenden Produktionsstätten mittlerweile an ihrer Kapazitätsgrenze.
Neues Werk als Antwort auf volle Auftragsbücher
Um die wachsende Nachfrage bewältigen zu können, plant das Unternehmen eine umfangreiche Erweiterung seiner Produktionsstruktur in Friedrichshafen. Neben den bereits bestehenden Werken soll im Stadtteil Kluftern ein weiteres Werk entstehen.
Der Spatenstich für das sogenannte Werk 3 ist noch für dieses Jahr vorgesehen. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2028 geplant. Insgesamt will Rolls-Royce Power Systems einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in den Ausbau und die Modernisierung seiner Standorte investieren.
Mit der neuen Anlage soll die Produktion deutlich ausgeweitet werden. Die bestehenden Fabriken seien bereits stark ausgelastet, erklärte Vorstandschef Jörg Stratmann bei der Präsentation der Jahreszahlen.
Mehr als 1.000 neue Stellen geplant
Parallel zu den Investitionen baut das Unternehmen auch seine Belegschaft aus. Weltweit sollen im laufenden Jahr mehr als 1.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Etwa die Hälfte davon ist für den Standort Friedrichshafen vorgesehen.
Arbeitsdirektorin Thelse Godewerth betonte, dass insbesondere qualifizierte Fachkräfte gesucht werden. Für die Region rund um den Bodensee bedeutet der Ausbau damit zusätzliche Beschäftigungsperspektiven.
Der Konzern beschäftigt derzeit rund 11.000 Menschen weltweit. Mehr als die Hälfte arbeitet in Friedrichshafen, wo sich der Hauptsitz sowie mehrere Produktions- und Entwicklungsbereiche befinden.
Rechenzentren als zentraler Wachstumstreiber
Ein wesentlicher Faktor für die aktuelle Geschäftsentwicklung ist die stark gestiegene Nachfrage nach Stromversorgungssystemen für Rechenzentren. Diese Anlagen werden unter anderem eingesetzt, um große Datenzentren bei Stromausfällen zuverlässig mit Energie zu versorgen.
Der Ausbau digitaler Infrastruktur und insbesondere Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz treiben diesen Markt an. Nach Unternehmensangaben stammt inzwischen etwa die Hälfte des Gesamtumsatzes aus diesem Geschäftsfeld. Rolls-Royce Power Systems sieht sich in diesem Segment als Weltmarktführer.
Die Aggregate werden nicht nur in Rechenzentren eingesetzt. Auch Krankenhäuser, Flughäfen und andere kritische Einrichtungen nutzen solche Systeme, um bei Stromausfällen handlungsfähig zu bleiben.
Verteidigungsgeschäft gewinnt an Bedeutung
Parallel dazu wächst auch das sogenannte Behördengeschäft deutlich. Dazu zählen unter anderem Motoren für militärische Fahrzeuge wie die Panzer Leopard und Puma.
Der Anteil dieses Segments am Gesamtumsatz liegt mittlerweile bei etwa einem Viertel. Vor wenigen Jahren betrug er noch rund zehn Prozent. Zu den Kunden gehören unter anderem die Bundeswehr sowie Streitkräfte von Nato-Staaten und deren Verbündeten.
Die steigende Nachfrage in diesem Bereich trägt maßgeblich zur aktuellen Geschäftsentwicklung bei.
Breites Produktportfolio unter der Marke MTU
Rolls-Royce Power Systems vertreibt seine Produkte vor allem unter der Marke MTU. Neben Notstromaggregaten umfasst das Portfolio auch große Dieselmotoren für verschiedene Anwendungen.
Dazu gehören Antriebe für Yachten sowie Motoren für schwere Landfahrzeuge und Schienenfahrzeuge. Die breite Aufstellung in unterschiedlichen Industriebereichen sorgt für eine stabile Nachfragebasis.
Mitarbeitende profitieren vom Erfolg
Am wirtschaftlichen Erfolg sollen auch die Beschäftigten beteiligt werden. Das Unternehmen zahlt seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Erfolgsprämie von rund 2.800 Euro.
Angesichts der weiterhin gut gefüllten Auftragsbücher und der geplanten Investitionen rechnet das Management damit, dass sich die positive Geschäftsentwicklung fortsetzen wird. Besonders im Bereich der Stromversorgung für Rechenzentren erwartet das Unternehmen weiterhin eine hohe Nachfrage.
Mit dem geplanten neuen Werk in Friedrichshafen reagiert Rolls-Royce Power Systems somit auf einen strukturellen Wachstumsschub, der sowohl von der Digitalisierung als auch von geopolitischen Entwicklungen geprägt ist.