Leichte Erholung im Einzelhandel: Mehr Umsatz im Weihnachtsgeschäft

Der deutsche Einzelhandel hat das Jahr 2025 besser abgeschlossen, als es die gesamtwirtschaftliche Lage vermuten ließ. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes legte der preisbereinigte Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozent zu. Nominal belief sich das Plus auf 3,8 Prozent. Damit fiel das Wachstum deutlich kräftiger aus als 2024, als real lediglich ein Zuwachs von 1,1 Prozent erreicht worden war. Gleichwohl bleibt das aktuelle Umsatzniveau knapp unter dem Höchststand des Jahres 2021, dem bisherigen Rekord seit Beginn der Zeitreihe Mitte der 1990er-Jahre.

Ein Teil des Anstiegs ist allerdings nicht auf eine breit angelegte Nachfragebelebung zurückzuführen. Ausschlaggebend war eine Umstrukturierung bei einem großen Internet- und Versandhändler, durch die Umsätze erstmals statistisch Deutschland zugeordnet wurden, die zuvor nicht erfasst waren. Der Effekt machte sich vor allem in der ersten Jahreshälfte bemerkbar. Entsprechend lag das reale Umsatzwachstum zwischen Januar und Juni bei 3,8 Prozent, während es im zweiten Halbjahr auf 1,7 Prozent zurückging. Ohne diesen Sondereinfluss hätte die Bilanz deutlich nüchterner ausgesehen.

Onlinehandel als Wachstumstreiber

Unabhängig davon zeigt sich eine klare Verschiebung innerhalb der Branche. Der Versand- und Onlinehandel verzeichnete inflationsbereinigt ein Umsatzplus von gut zehn Prozent und war damit der mit Abstand dynamischste Bereich. Der stationäre Handel entwickelte sich deutlich verhaltener. Im Lebensmittelhandel stiegen die Erlöse real um 1,1 Prozent, bei Nicht-Lebensmitteln um 3,7 Prozent. Die Zahlen verdeutlichen, dass der Strukturwandel im Einzelhandel weiter voranschreitet und digitale Vertriebskanäle ihre Bedeutung ausbauen, selbst in einem Umfeld schwacher Konjunktur.

Weihnachtsgeschäft mit Licht und Schatten

Auch das wichtige Schlussquartal lieferte positive Impulse. Im Dezember 2025 setzten die Einzelhandelsunternehmen preisbereinigt 3,2 Prozent mehr um als im Vorjahresmonat. Nominal betrug der Zuwachs 3,5 Prozent. Kalender- und saisonbereinigt fiel der Anstieg allerdings moderater aus. Zudem relativiert der Blick auf den längerfristigen Vergleich das Ergebnis: Gegenüber dem Rekorddezember 2021 lag der reale Umsatz noch immer um vier Prozent niedriger. Das Weihnachtsgeschäft hat sich somit erholt, ohne an frühere Spitzenwerte anzuknüpfen.

Gedämpfte Stimmung, vorsichtiger Optimismus

Die Konsumlaune der privaten Haushalte bleibt insgesamt angespannt. Viele Verbraucher spüren weiterhin die Folgen der Preissteigerungen der vergangenen Jahre und sorgen sich um ihre Beschäftigungssituation. Gleichzeitig haben sich die Rahmenbedingungen leicht verbessert. Seit mehr als zwei Jahren wachsen die Löhne stärker als die Inflation, die zuletzt ein moderateres Niveau erreicht hat. Zum Jahresanfang signalisierten sowohl das GfK-Konsumklima als auch Erhebungen des Nürnberger Instituts für Marktentscheidungen eine Aufhellung der Erwartungen. Verbraucher rechnen mit steigenden Einkommen, unter anderem infolge der jüngsten Mindestlohnanhebung, und zeigen wieder eine größere Bereitschaft zu Ausgaben.

Auch das Konsumbarometer des Handelsverbandes Deutschland weist im Februar auf eine Stimmungsverbesserung hin. Der Index erreichte den höchsten Stand seit dem vergangenen Sommer, bleibt jedoch insgesamt auf niedrigem Niveau. Ökonomen sprechen daher eher von einer Stabilisierung als von einer dynamischen Trendwende.

Wachstum ohne große Dynamik

Volkswirte mahnen zur Zurückhaltung bei der Interpretation der Zahlen. Zwar halte sich der Umsatz, doch von kräftigem Wachstum könne keine Rede sein. Hinzu kommt ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld. Die deutsche Industrie leidet unter Wettbewerbsproblemen, die Exporte schrumpften zuletzt trotz eines wachsenden Welthandels. Unternehmen investieren zurückhaltend, der Arbeitsmarkt zeigt erste Risse, und die Arbeitslosigkeit überschritt zuletzt wieder die Marke von drei Millionen.

Vor diesem Hintergrund erscheint der Einzelhandel weniger als Motor, sondern eher als Stabilisator der Konjunktur. Die Bundesregierung rechnet damit, dass der private Konsum in diesem und im kommenden Jahr moderat zulegt. Auch unabhängige Institute erwarten keine kräftigen Impulse, sondern ein allmähliches Anziehen.

Der Einzelhandel hat 2025 bewiesen, dass er selbst in einem schwierigen Umfeld widerstandsfähig ist. Das Umsatzplus zeigt jedoch auch die Grenzen dieser Entwicklung. Es speist sich zu einem erheblichen Teil aus strukturellen Verschiebungen und statistischen Effekten. Ob sich aus der vorsichtigen Zuversicht der Verbraucher ein nachhaltiger Konsumaufschwung entwickelt, bleibt offen. Für die Branche dürfte entscheidend sein, ob sich Einkommenserwartungen und Beschäftigungslage in den kommenden Monaten tatsächlich stabilisieren und ob das Wachstum künftig ohne Sondereffekte auskommt.