Insolvenzen 2025 auf Rekordniveau

Zum Jahresende hat sich die angespannte Lage vieler Unternehmen noch einmal verschärft. Die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen lag im Dezember deutlich über dem Vorjahresniveau. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes fiel der Anstieg zweistellig aus und übertraf die Zuwächse der Vormonate spürbar. Damit setzt sich ein Trend fort, der die deutsche Wirtschaft bereits seit Monaten belastet.

Die amtliche Statistik bildet das Geschehen dabei nur zeitversetzt ab. Insolvenzen werden erst erfasst, wenn die Gerichte eine erste Entscheidung getroffen haben. Zwischen Antrag und statistischer Erfassung liegen häufig mehrere Monate. Die aktuellen Zahlen spiegeln daher wirtschaftliche Probleme wider, die bereits im Herbst entstanden sind.

Höchster Stand seit zwei Jahrzehnten

Besonders deutlich wird das Ausmaß der Entwicklung im Jahresvergleich. Nach Berechnungen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle erreichte die Zahl der Firmenpleiten 2025 mit 17.604 Fällen den höchsten Wert seit 20 Jahren. Selbst während der Finanzkrise 2009 lag das Niveau noch darunter. Auch der Dezember markierte einen Extremwert: Die Zahl der Insolvenzen lag deutlich über dem Durchschnitt der Jahre vor der Corona-Pandemie.

Die Forscher sehen darin längst mehr als einen statistischen Nachholeffekt. Zwar spielten die während der Pandemie ausgesetzten Insolvenzantragspflichten und die anschließende Zinswende eine wichtige Rolle. Inzwischen spiegeln die Zahlen jedoch zunehmend die grundlegenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten wider, mit denen Unternehmen in Deutschland konfrontiert sind.

Breite Betroffenheit quer durch die Wirtschaft

Auffällig ist, dass sich die Insolvenzen nicht auf einzelne Branchen beschränken. Besonders häufig geraten Betriebe aus dem Verkehrssektor, der Logistik, dem Baugewerbe sowie dem Hotel- und Gaststättengewerbe in Schieflage. In diesen Bereichen treffen mehrere Belastungen zusammen: hohe Energiepreise, gestiegene Finanzierungskosten und eine verhaltene Nachfrage.

Im Bau und bei Projektentwicklern wirkt der starke Zinsanstieg seit Ende 2022 besonders nach. Kalkulationen gerieten ins Wanken, Finanzierungen wurden teurer oder gar unmöglich. Gleichzeitig leidet die Gastronomie unter zurückhaltendem Konsum, während Transportunternehmen mit schwacher Auslastung und steigenden Kosten kämpfen.

Forderungen steigen, Vermögensschäden schwanken

Mit der Zahl der Insolvenzen schwanken auch die Forderungen der Gläubiger. In einzelnen Monaten erreichten sie ein Vielfaches des Vorjahreswertes. In anderen Phasen fiel das Volumen trotz steigender Fallzahlen geringer aus. Das zeigt, dass nicht nur kleine Betriebe betroffen sind, sondern zunehmend auch größere Unternehmen, deren Zusammenbruch erhebliche finanzielle Schäden nach sich zieht.

Diese Entwicklung unterstreicht ein weiterer Trend: Die Zahl der Großinsolvenzen nimmt spürbar zu. Unternehmen mit zweistelligen Millionenumsätzen geraten häufiger in existenzielle Schwierigkeiten. Besonders betroffen sind Industriebranchen wie Metallverarbeitung, Elektrotechnik, Automobilzulieferer und der Innenausbau. Innerhalb weniger Jahre hat sich die Zahl solcher Großverfahren nahezu verdreifacht.

Wirtschaftspolitik unter Druck

Vertreter der Wirtschaft sehen dringenden Handlungsbedarf. Die angespannte Lage koste immer mehr Betrieben die Existenz, lautet die Einschätzung aus Unternehmenskreisen. Gefordert werden vor allem schnelle Entlastungen bei Energiepreisen, Bürokratie und Sozialabgaben. Maßnahmen zum Bürokratieabbau gelten zwar als Schritt in die richtige Richtung, reichen aus Sicht vieler Unternehmen aber nicht aus, um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken.

Hinzu kommt, dass staatliche Sonderregelungen aus der Corona-Zeit ausgelaufen sind. Was damals eine Insolvenzwelle abfedern sollte, wirkt heute nicht mehr. Unternehmen stehen den Marktbedingungen wieder ohne Schutzmechanismen gegenüber.

Keine schnelle Trendwende in Sicht

Auch der Blick nach vorn bietet wenig Anlass zur Entwarnung. Auskunfteien und Kreditversicherer rechnen für die kommenden Jahre weiterhin mit hohen Insolvenzzahlen. Für das laufende Jahr wird ein weiterer Anstieg erwartet, wenn auch in moderaterem Tempo. Erst mittelfristig, so die Prognosen, könnte sich die Lage allmählich entspannen – vorausgesetzt, konjunkturelle Impulse greifen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stabilisieren sich.

Für viele Mittelständler ist die Situation bereits heute existenziell. Die Insolvenzwelle wird zunehmend als strukturelles Problem wahrgenommen, nicht als kurzfristige Schwankung. Gleichzeitig betonen Ökonomen, dass Insolvenzen auch eine bereinigende Funktion haben können, indem sie Raum für tragfähige Geschäftsmodelle schaffen. Kurzfristig jedoch bleibt der wirtschaftliche Schaden erheblich.

Die hohe Zahl an Firmenpleiten ist mehr als eine statistische Größe. Sie zeigt, wie tiefgreifend die Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland geworden sind. Steigende Kosten, schwache Nachfrage und unsichere Perspektiven setzen Unternehmen unter Druck. Solange sich daran wenig ändert, dürfte auch die Insolvenzwelle nicht abebben.