BGA-Umfrage ergibt: Getrübte Stimmung am deutschen Großmarkt

Der deutsche Großhandel steckt weiter in einer Phase tiefer Verunsicherung. Zwar erwarten die Unternehmen für 2026 rechnerisch ein geringfügiges Wachstum, doch von Aufbruchsstimmung kann keine Rede sein. Umfragen des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) zeichnen das Bild einer Branche, die sich eher am Rand der Stagnation als auf dem Weg zu neuer Stärke sieht. Umsätze und Erträge stehen unter Druck, Investitionen werden aufgeschoben, und das Vertrauen in die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ist gering.

Die aktuelle Geschäftslage wird von vielen Großhändlern als kritisch eingeschätzt. Mehr als die Hälfte der Unternehmen meldete zuletzt rückläufige Umsätze, nur ein kleiner Teil konnte überhaupt Gewinne erzielen. Der vom BGA erhobene Geschäftsklimaindikator liegt deutlich unter der Marke, die für eine positive Entwicklung steht. Damit erreicht die Stimmung ein Niveau, das zuletzt während der Hochphase der Corona-Pandemie gemessen wurde.

Auch der Blick nach vorn bleibt verhalten. Zwar rechnet der Verband für 2026 mit einem Umsatzwachstum von 0,7 Prozent, doch diese Zahl wird in der Branche selbst relativiert. Ein solches Plus reiche kaum aus, um Verluste der Vorjahre auszugleichen oder neue Spielräume zu schaffen. Ein erheblicher Teil der Unternehmen erwartet sogar weiter sinkende Erträge.

Investitionen auf Sparflamme

Die schwache Ertragslage hat unmittelbare Folgen für die Investitionsbereitschaft. Zwei Drittel der befragten Unternehmen gaben an, im vergangenen Jahr lediglich Ersatzinvestitionen vorgenommen oder Prozesse rationalisiert zu haben. Neue Projekte, Kapazitätserweiterungen oder größere Zukunftsinvestitionen bleiben die Ausnahme. Die Zurückhaltung hat weniger mit fehlendem Willen als mit mangelnder Planungssicherheit zu tun.

Ein von der Bundesregierung beschlossenes steuerliches Investitionsprogramm sollte eigentlich gegensteuern. Es sieht unter anderem verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten für Ausrüstungsinvestitionen sowie perspektivisch niedrigere Körperschaftsteuern vor. In der Praxis hat dieses Instrument jedoch kaum Wirkung entfaltet. Die große Mehrheit der Großhändler sieht darin bislang keinen ausreichenden Anreiz, um zusätzliche Mittel zu mobilisieren.

Fehlende Aufträge und hohe Kosten

Neben der allgemeinen Unsicherheit nennen viele Unternehmen ganz konkrete Hemmnisse. Nahezu die Hälfte klagt über einen Mangel an Aufträgen. Andere halten die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen insgesamt für wenig attraktiv. Besonders häufig werden die hohen Belastungen durch Bürokratie, Arbeitskosten, Steuern und Energiepreise genannt.

Drei Viertel der befragten Großhändler empfinden den bürokratischen Aufwand als überfordernd – sowohl in zeitlicher als auch in finanzieller Hinsicht. Mehr als zwei Drittel fordern eine spürbare Entlastung bei den Arbeitskosten. Steigende Sozialabgaben wirkten sich unmittelbar auf Arbeitgeber und Beschäftigte aus und schmälerten die ohnehin knappen Margen. Auch die Energiekosten bleiben ein zentrales Thema: Ein großer Teil der Unternehmen sieht sich hier bereits an der Belastungsgrenze.

Kritik an der Politik wächst

Die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung ist entsprechend ausgeprägt. In einer symbolischen Bewertung vergeben die Unternehmen im Schnitt nur eine knapp ausreichende Note. Dahinter steht weniger grundsätzliche Ablehnung als vielmehr Enttäuschung über nicht erfüllte Erwartungen. Viele Betriebe hatten auf schnellere und spürbarere Entlastungen gehofft, insbesondere für den Mittelstand.

Der BGA warnt, dass ohne glaubwürdige Perspektive für Wachstum und Stabilität auch künftig kaum Investitionen angestoßen werden. Bereits seit 2023 haben nach Verbandsangaben mehr als 2000 Großhandelsunternehmen aufgegeben. Sollte sich an den Rahmenbedingungen nichts ändern, drohten weitere Insolvenzen und der Verlust von Arbeitsplätzen.

Kaum Puffer für weitere Belastungen

Besonders alarmierend ist aus Sicht der Branche, dass viele Unternehmen ihre finanziellen Reserven aufgebraucht haben. Rücklagen, die frühere Krisen abfedern konnten, sind vielfach nicht mehr vorhanden. Damit fehlt der Spielraum, um zusätzliche Kosten oder neue Belastungen abzufangen. Schon kleine Verschlechterungen könnten für manche Betriebe existenzbedrohend werden.

Der Großhandel spielt als Bindeglied zwischen Produzenten und Kunden eine zentrale Rolle in der deutschen Wirtschaft. Mit einem Umsatz von rund 1,7 Billionen Euro und knapp zwei Millionen Arbeitsplätzen gehört die Branche zu den tragenden Säulen des Standorts. Umso größer ist die Sorge, dass anhaltende Schwäche hier weitreichende Folgen haben könnte.

Unterm Strich bleibt ein zwiespältiges Bild. Die Aussicht auf ein leichtes Wachstum im Jahr 2026 verhindert zwar einen völlig pessimistischen Ausblick, reicht aber nicht aus, um neues Vertrauen zu schaffen. Solange Aufträge fehlen, Kosten hoch bleiben und politische Signale aus Sicht der Unternehmen unzureichend sind, dürfte sich die Investitionszurückhaltung fortsetzen. Der Großhandel wartet auf verlässlichere Perspektiven – und auf Rahmenbedingungen, die mehr sind als ein knappes Bestehen.