Agrarpreise unter Druck: Sinkende Erlöse treffen auf steigende Kosten

Die Preise, die deutsche Landwirtschaftsbetriebe für ihre Erzeugnisse erhalten, sind im Sommer 2026 deutlich zurückgegangen. Im Juli lagen die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte 13,7 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Besonders stark fielen die Preise für Milch, Schweine und Kartoffeln. Gleichzeitig steigen wichtige Kostenpositionen weiter. Für landwirtschaftliche Betriebe entsteht damit eine schwierige Kombination aus niedrigeren Verkaufserlösen und höheren Aufwendungen.

Gegenüber Juni zeigt sich allerdings eine leichte Gegenbewegung. Insgesamt erhöhten sich die Erzeugerpreise im Juli um 0,5 Prozent. Dahinter verbergen sich jedoch sehr unterschiedliche Entwicklungen. Pflanzliche Erzeugnisse verteuerten sich gegenüber dem Vormonat um 4,6 Prozent, während Tiere und tierische Erzeugnisse weitere 1,9 Prozent verloren.

Kartoffeln und Obst deutlich günstiger

Bei pflanzlichen Produkten lagen die Erzeugerpreise im Juli insgesamt 4,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Speisekartoffeln. Sie waren 45,4 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Gegenüber Juni stiegen ihre Preise allerdings um 10,3 Prozent.

Auch bei Obst mussten Erzeuger deutliche Rückgänge hinnehmen. Die Preise lagen insgesamt 26,6 Prozent unter dem Stand von Juli 2025. Tafeläpfel verbilligten sich um 42 Prozent, Erdbeeren um 2,9 Prozent.

Ein einheitliches Bild ergibt sich daraus für den Pflanzenbau allerdings nicht. Gemüse kostete auf Erzeugerebene 10,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Besonders kräftig stiegen die Preise für Eissalat mit 60,8 Prozent und Gurken mit 48,9 Prozent. Tomaten verteuerten sich um 10,6 Prozent. Gleichzeitig wurden Blumenkohl um 16,8 Prozent und Spargel um zwei Prozent günstiger.

Auch Getreide bewegte sich gegen den allgemeinen Abwärtstrend. Im Juli lagen die Preise drei Prozent über dem Vorjahreswert. Damit wurde erstmals seit April 2025 wieder ein Anstieg gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat verzeichnet. Handelsgewächse verteuerten sich insgesamt um 6,2 Prozent, Raps sogar um 12,9 Prozent.

Milch und Schlachttiere verstärken den Rückgang

Noch stärker als bei pflanzlichen Produkten ist der Preisdruck in der tierischen Erzeugung. Tiere und tierische Erzeugnisse waren im Juli 18,6 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Ein wesentlicher Faktor ist Milch. Hier lagen die Erzeugerpreise 24,8 Prozent unter dem Niveau von Juli 2025. Zum Vormonat gab es immerhin ein leichtes Plus von 0,9 Prozent.

Bei Tieren betrug der Rückgang gegenüber dem Vorjahr 16,6 Prozent. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei Schlachtschweinen, deren Preise um 25,7 Prozent sanken. Für Rinder wurden 13,4 Prozent weniger gezahlt. Geflügel verbilligte sich insgesamt um 2,1 Prozent, wobei Hähnchen 4,8 Prozent günstiger waren. Bei Enten und Puten stiegen die Preise dagegen um 1,9 Prozent.

Eier bilden ebenfalls eine Ausnahme. Ihre Erzeugerpreise lagen 9,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Damit zeigt sich auch innerhalb der tierischen Produktion eine erhebliche Spannbreite.

Betriebsmittel verteuern sich weiter

Für die wirtschaftliche Lage der Betriebe ist nicht allein entscheidend, welche Preise sie für ihre Produkte erzielen. Parallel entwickelt sich die Kostenseite ungünstig. Der Index der Einkaufspreise landwirtschaftlicher Betriebsmittel ohne Umsatzsteuer stieg zwischen April und Juli 2026 um ein Prozent. Mit einem Indexstand von 136,6 auf Basis des Jahres 2020 lag das Niveau vier Prozent über dem Vorjahreswert.

Einzelne Betriebsmittel verteuerten sich noch stärker. Mischfuttermittel für Kälber kosteten im betrachteten Zeitraum fünf Prozent mehr, Getreide und Mühlennachprodukte 4,5 Prozent. Schmierstoffe legten um vier Prozent zu, Ölkuchen und -schrot um 3,6 Prozent sowie Saat- und Pflanzgut um 3,3 Prozent.

Entlastung gab es dagegen unter anderem bei Insektiziden, Heizstoffen und elektrischem Strom. Die Rückgänge blieben mit 2,5 Prozent beziehungsweise weniger als einem Prozent jedoch begrenzt.

Damit laufen Erzeuger- und Betriebsmittelpreise in unterschiedliche Richtungen. Gerade in Bereichen mit starken Erlösrückgängen erhöht diese Entwicklung den wirtschaftlichen Druck auf die Betriebe.

Niedrige Erzeugerpreise bedeuten nicht automatisch billige Lebensmittel

An den Ladenkassen ist der Rückgang der Agrarpreise bislang nur teilweise angekommen. Die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel lagen im August 2026 lediglich 0,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Hinter diesem nahezu unveränderten Gesamtwert stehen ebenfalls erhebliche Unterschiede.

Eier verteuerten sich für Verbraucher um 15,2 Prozent, frisches Gemüse um 5,2 Prozent. Molkereiprodukte waren dagegen 5,5 Prozent günstiger, frisches Obst 5,6 Prozent. Bei Speisefetten und Speiseölen betrug der Rückgang 15,3 Prozent, Butter verbilligte sich sogar um 29,9 Prozent.

Parallel gewinnt Energie als Kostenfaktor an Bedeutung. Energieprodukte waren im August 10,5 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, Kraftstoffe sogar 27,7 Prozent. Die gesamte Inflationsrate erreichte 2,9 Prozent.

Für die Landwirtschaft ergibt sich damit eine widersprüchliche Lage. Während die Erlöse in wichtigen Produktgruppen erheblich unter dem Vorjahresniveau liegen, bleiben die Kosten für Betriebsmittel erhöht. Zugleich zeigen Kartoffeln, Gemüse, Getreide, Milch und Fleisch, wie unterschiedlich sich einzelne Agrarmärkte entwickeln. Der leichte Anstieg der gesamten Erzeugerpreise gegenüber Juni ändert deshalb zunächst wenig am grundlegenden Befund: Der wirtschaftliche Druck auf viele landwirtschaftliche Betriebe bleibt hoch.

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